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B2Obere Mittelstufe4 Min. LesezeitAktualisiert

Konjunktiv I und indirekte Rede: Formen, Zeiten und Satzbau

Für die Redewiedergabe: Infinitivstamm + -e (er sage, er habe, er sei); ist die Form mit dem Indikativ identisch, weicht man auf den Konjunktiv II aus.

Regel

Der Konjunktiv I gibt wieder, was jemand anders gesagt hat, ohne dass sich der Schreibende die Aussage zu eigen macht. Er ist die Form der Nachrichten, Berichte und wissenschaftlichen Zitate.

Gebildet wird er vom Infinitivstamm (Infinitiv ohne -en) plus den Endungen -e, -est, -e, -en, -et, -en: sagen → er sage, können → er könne. Starke Verben behalten dabei ihren Stammvokal: Indikativ er fährt, Konjunktiv I er fahre; ebenso er gibt → er gebe. Nur sein ist unregelmäßig: ich sei, du sei(e)st, er sei, wir seien, ihr seiet, sie seien.

Brauchbar sind nur die Formen, die sich vom Indikativ unterscheiden: die 3. Person Singular aller Verben, alle Formen von sein und bei den Modalverben sowie bei wissen auch die 1. Person Singular (ich könne, ich wisse). Die du-/ihr-Formen (du habest, ihr habet) unterscheiden sich zwar ebenfalls, wirken aber veraltet; heute steht dort der Konjunktiv II.

Ausweichregel: Ist die Form des Konjunktiv I mit dem Indikativ identisch (wir haben, sie kommen), nimmt man den Konjunktiv II (sie hätten, sie kämen). Fällt auch dieser mit dem Präteritum zusammen — bei allen schwachen Verben (sie arbeiteten) —, nimmt man würde + Infinitiv (sie würden arbeiten).

Zeiten: Es gibt nur drei Zeitstufen. Gegenwart: er arbeite. Vergangenheit: habe/sei + Partizip II (er habe gearbeitet, er sei gekommen), gleich ob im Original Perfekt, Präteritum oder Plusquamperfekt stand; das Hilfsverb wählt man wie im Perfekt. Zukunft: werde + Infinitiv (er werde anrufen).

Satzbau: Mit dass steht das finite Verb am Ende (Er sagt, dass er müde sei), ohne dass gilt die Hauptsatzstellung mit dem Verb an Position 2 (Er sagt, er sei müde). Das Komma steht in beiden Fällen. In längeren Passagen lässt man dass meist weg, weil schon der Konjunktiv die Redewiedergabe (= Wiedergabe fremder Aussagen) markiert.

Fragen und Aufforderungen: Die Entscheidungsfrage (Ja/Nein-Frage) wird mit ob angeschlossen, die W-Frage behält ihr Fragewort; in beiden Fällen steht das Verb am Satzende. Aus einem Imperativ wird sollen (Aufforderung) oder mögen (höfliche Bitte).

Verschiebungen: Pronomen richten sich nach der neuen Perspektive (ich → er, mein → sein), Zeit- und Ortsangaben werden angepasst (morgen → am nächsten Tag, hier → dort).

Gesprochen berichtet man meist mit dass + Indikativ oder mit dem Konjunktiv II. Feste Wendungen bewahren die alte Wunschbedeutung: Es lebe die Freiheit!, Man nehme drei Eier …, Gott sei Dank.

Beispiele

  • Sie schreibt, sie sei krank und könne morgen nicht kommen.
  • Der Sprecher sagte, die Regierung plane keine neuen Steuern.
  • Er behauptet, er habe davon nichts gewusst.
  • Die Zeugin erklärte, sie sei um acht Uhr nach Hause gegangen.
  • Der Minister betonte, man werde die Ergebnisse im Mai veröffentlichen.
  • Mein Kollege sagt, dass er die Zahlen noch prüfen müsse.
  • Sie fragte, ob er noch Zeit habe.
  • Der Arzt sagte, ich solle mich zwei Tage ausruhen.
  • Die Nachbarn behaupten, sie hätten nichts gehört.

Übersicht

Person sein haben werden können gehen
ich sei habe = werde = könne gehe =
du sei(e)st habest werdest könnest gehest
er/sie/es sei habe werde könne gehe
wir seien haben = werden = können = gehen =
ihr seiet habet werdet = könnet gehet
sie/Sie seien haben = werden = können = gehen =

Fett = die Formen, die die indirekte Rede tragen; = markiert eine Form, die mit dem Indikativ identisch ist und durch den Konjunktiv II (hätte, hätten, könnten, kämen) oder durch würde + Infinitiv (sie würden gehen) ersetzt wird.

Direkte Rede Was sich ändert Indirekte Rede
„Ich arbeite in Berlin." Gegenwart → Konjunktiv I Er sagt, er arbeite in Berlin.
„Ich habe lange gewartet." / „Ich wartete lange." Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt → eine Vergangenheitsform Er sagt, er habe lange gewartet.
„Ich bin zu spät gekommen." Vergangenheit mit sein Er sagt, er sei zu spät gekommen.
„Ich werde morgen anrufen." Zukunft Er sagte, er werde am nächsten Tag anrufen.
Hast du Zeit?" Entscheidungsfrage → ob Er fragte, ob sie Zeit habe.
Wann beginnt der Film?" W-Frage → Fragewort, Verb am Ende Er fragte, wann der Film beginne.
Ruf mich an!" Imperativ → sollen Er sagte, ich solle ihn anrufen.
„Wir haben nichts gehört." Konjunktiv I = Indikativ → Konjunktiv II Sie sagen, sie hätten nichts gehört.

Typische Fehler

  • ❌ Er sagt, er seie krank. → ✅ Er sagt, er sei krank. — sein ist unregelmäßig: In der 1. und 3. Person Singular fehlt das -e.
  • ❌ Sie sagt, sie fähre nach Wien. → ✅ Sie sagt, sie fahre nach Wien. — Die Form kommt vom Infinitivstamm; der Umlaut des Indikativs fällt weg.
  • ❌ Sie schreibt, sie habe gestern nach Berlin gefahren. → ✅ Sie schreibt, sie sei gestern nach Berlin gefahren. — Die Vergangenheit nimmt das Hilfsverb des Perfekts.
  • ❌ Er fragte, dass sie Zeit habe. → ✅ Er fragte, ob sie Zeit habe. — Eine wiedergegebene Ja/Nein-Frage beginnt mit ob; dass leitet eine wiedergegebene Aussage ein.
  • ❌ Er fragte, wann beginnt der Film. → ✅ Er fragte, wann der Film beginne. — Die wiedergegebene W-Frage ist ein Nebensatz: Das finite Verb steht am Ende.

Verwandte Themen

Der Konjunktiv II liefert die Ersatzformen, wenn Konjunktiv I und Indikativ gleich aussehen; das Partizip II und die Wahl von haben/sein erklärt das Kapitel zum Perfekt, den Satzbau mit dass und ob das Kapitel zu den Nebensätzen.

Häufige Fragen

Wie bildet man den Konjunktiv I?

Infinitivstamm plus -e, -est, -e, -en, -et, -en: sagen → er sage, können → er könne. Starke Verben behalten ihren Stammvokal (er fahre, er gebe). Nur sein ist unregelmäßig: sei, sei(e)st, sei, seien, seiet, seien.

Was macht man, wenn die Form des Konjunktiv I wie der Indikativ aussieht?

Dann nimmt man den Konjunktiv II: wir haben → wir hätten, sie kommen → sie kämen. Fällt auch dieser mit dem Präteritum zusammen, wie bei allen schwachen Verben (sie arbeiteten), steht würde + Infinitiv: sie würden arbeiten.

Wie gibt man eine Aussage über die Vergangenheit wieder?

Mit einer einzigen Form: habe oder sei + Partizip II — Er sagt, er habe gearbeitet; Er sagt, er sei gekommen. Ob im Original Perfekt, Präteritum oder Plusquamperfekt stand, spielt keine Rolle; das Hilfsverb wählt man wie im Perfekt.

Wie werden Fragen und Aufforderungen wiedergegeben?

Entscheidungsfragen mit ob, W-Fragen mit ihrem Fragewort; das Verb steht jeweils am Satzende: Er fragte, ob sie Zeit habe / wann der Film beginne. Aus einem Imperativ wird solle (Aufforderung) oder möge (höfliche Bitte).

Braucht man den Konjunktiv I auch beim Sprechen?

Nein. Er gehört zu Nachrichten, Berichten und formellen Texten und zeigt dort, dass der Schreibende eine Aussage nur weitergibt. Im Gespräch berichtet man mit dass + Indikativ oder mit dem Konjunktiv II; einige feste Wendungen bewahren die alte Form: Es lebe die Freiheit!, Man nehme …, Gott sei Dank.