Relativsätze: der, die, das, dessen, deren und wo
Genus und Numerus kommen vom Bezugswort, der Kasus von der Rolle im Relativsatz — und das konjugierte Verb steht ganz am Ende.
Regel
Ein Relativsatz beschreibt ein Nomen genauer. Das Relativpronomen wird in zwei Schritten gewählt: Genus (Geschlecht) und Numerus (Zahl) übernimmt es vom Bezugswort, also vom Nomen davor; den Kasus bestimmt seine eigene Rolle im Relativsatz. Welchen Kasus das Bezugswort im Hauptsatz hat, spielt keine Rolle.
Fünf Rollen — aber nur vier Kasus, denn die Präposition bringt keinen eigenen:
- Subjekt → Nominativ: Der Mann, der dort wartet, …
- direktes Objekt → Akkusativ: Die Kollegin, die ich angerufen habe, …
- Dativobjekt bei Verben wie helfen, gehören, zeigen → Dativ: Das Kind, dem ich geholfen habe, …
- Besitz → Genitiv dessen (Maskulinum/Neutrum) oder deren (Femininum/Plural). Das folgende Nomen steht ohne Artikel, ein Adjektiv davor bekommt starke Endungen: dessen neues Auto.
- nach einer Präposition → der Kasus dieser Präposition; die Präposition steht vor dem Pronomen: die Firma, für die ich arbeite.
Zum Satzbau gehören drei Punkte. Der Relativsatz ist ein Nebensatz, deshalb steht das konjugierte Verb am Ende (im Perfekt: erst das Partizip, dann das Hilfsverb). Er wird durch Kommas abgetrennt; steht er mitten im Satz, schließt ein zweites Komma ihn ab. Und er steht direkt hinter seinem Bezugswort — außer ein Partizip oder Infinitiv des Hauptsatzes würde dadurch abgetrennt; dann rückt er dahinter ans Satzende: Ich habe gestern einen Film gesehen, der mir sehr gefallen hat. Das Relativpronomen darf nie wegfallen, und die Präposition steht nie am Satzende.
Zwei Alternativen ersetzen das Pronomen. Bei Orten steht wo (die Stadt, wo ich wohne = die Stadt, in der ich wohne), dazu wohin für die Richtung und woher für die Herkunft. Bei artikellosen Städte- und Ländernamen (Leipzig, Deutschland) geht nur wo; Ländernamen mit Artikel (die Schweiz, die USA) erlauben auch in der, in den. Nach alles, nichts, etwas, vieles, das und nach Superlativen im Neutrum (das Beste, das Einzige) heißt das Pronomen was; mit Präposition wird daraus ein wo(r)-Kompositum: worüber, womit, wofür. Die Variante welcher/welche/welches gibt es, sie klingt aber gehoben und altmodisch — üblich ist der/die/das.
Beispiele
- Der Mann, der dort wartet, ist mein Nachbar.
- Die Kollegin, die ich gestern angerufen habe, ist krank.
- Das Kind, dem ich geholfen habe, wohnt nebenan.
- Die Freunde, denen wir die Wohnung zeigen, kommen aus Wien.
- Der Student, dessen Fahrrad gestohlen wurde, hat die Polizei gerufen.
- Die Firma, für die ich arbeite, eröffnet ein Büro in Hamburg.
- Ich habe gestern einen Film gesehen, der mir sehr gefallen hat.
- Ich fahre nach Leipzig, wo meine Schwester studiert.
- Er erzählt uns alles, was er weiß.
- Sie hat die Stelle bekommen, worüber sich alle gefreut haben.
Übersicht
| Kasus | Maskulinum | Neutrum | Femininum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ (Subjekt) | der | das | die | die |
| Akkusativ (direktes Objekt) | den | das | die | die |
| Dativ (Dativobjekt) | dem | dem | der | denen |
| Genitiv (Besitz) | dessen | dessen | deren | deren |
| Bezugswort | Pronomen | Beispiel |
|---|---|---|
| Nomen (Person oder Sache) | der/die/das … | Der Mann, der dort wartet, ist mein Nachbar. |
| Ort, Städte- oder Ländername | wo, wohin, woher | Ich fahre nach Leipzig, wo meine Schwester studiert. |
| alles, nichts, etwas, vieles, das | was | Er erzählt uns alles, was er weiß. |
| das Beste, das Einzige (Superlativ im Neutrum) | was | Das ist das Beste, was mir passieren konnte. |
| der ganze Hauptsatz (+ Präposition) | was / wo(r)- | Sie hat die Stelle bekommen, worüber sich alle gefreut haben. |
Typische Fehler
- ❌ Ich kenne den Mann, den dort wartet. → ✅ Ich kenne den Mann, der dort wartet. — Das Pronomen ist Subjekt des Relativsatzes, also Nominativ; der Akkusativ im Hauptsatz ändert daran nichts.
- ❌ Der Film, der läuft gerade im Kino, ist neu. → ✅ Der Film, der gerade im Kino läuft, ist neu. — Ein Relativsatz ist ein Nebensatz: Das konjugierte Verb steht ganz am Ende.
- ❌ Die Firma, die ich für arbeite, eröffnet ein Büro. → ✅ Die Firma, für die ich arbeite, eröffnet ein Büro. — Die Präposition steht vor dem Relativpronomen und bestimmt seinen Kasus; am Satzende darf sie nicht stehen.
- ❌ Die Freunde, die wir die Wohnung zeigen, kommen aus Wien. → ✅ Die Freunde, denen wir die Wohnung zeigen, kommen aus Wien. — zeigen stellt die Person in den Dativ, und der Dativ Plural heißt denen.
- ❌ Das ist das Beste, das mir passieren konnte. → ✅ Das ist das Beste, was mir passieren konnte. — Nach einem Superlativ im Neutrum und nach alles, nichts, etwas, das steht was.
Verwandte Themen
Die Wortstellung ist dieselbe wie in Nebensätzen mit dass oder weil. Die Formen ähneln den Demonstrativpronomen; dessen und deren gehören zum Genitiv. Welche Präposition ein Verb verlangt, klärt das Kapitel zu den Verben mit Präpositionen. Zu den wo(r)-Komposita gibt es außerdem die da(r)-Formen für Hauptsätze.
Häufige Fragen
Woher weiß ich, ob der, den, dem oder dessen richtig ist?
In zwei Schritten: Genus und Numerus übernimmt das Relativpronomen vom Bezugswort, den Kasus bestimmt seine eigene Rolle im Relativsatz — Subjekt Nominativ, direktes Objekt Akkusativ, Dativobjekt Dativ, Besitz Genitiv, nach einer Präposition der Kasus dieser Präposition.
Was bedeuten dessen und deren?
Das sind die Genitivformen; sie ersetzen ein Possessivpronomen. dessen steht nach Bezugswörtern im Maskulinum und Neutrum, deren nach Femininum und Plural. Das folgende Nomen bekommt keinen Artikel, ein Adjektiv davor bekommt starke Endungen: der Mann, dessen neues Auto kaputt ist.
Wo steht die Präposition im Relativsatz?
Direkt vor dem Relativpronomen, und sie bestimmt dessen Kasus: die Firma, für die ich arbeite. Am Satzende darf sie nicht stehen, und weglassen kann man das Relativpronomen im Deutschen nie.
Wann kann ich wo statt in dem oder an dem sagen?
Bei Orten: die Stadt, wo ich wohne = die Stadt, in der ich wohne. Bei artikellosen Städte- und Ländernamen (Leipzig, Deutschland) geht nur wo; Ländernamen mit Artikel (die Schweiz, die Türkei, der Iran, die USA) erlauben auch Präposition + Pronomen. wohin nennt die Richtung, woher die Herkunft. Temporales wo (der Tag, wo …) ist umgangssprachlich, standardsprachlich heißt es an dem.
Wann steht was und wann ein wo(r)-Kompositum?
was steht nach alles, nichts, etwas, vieles und das, nach Superlativen im Neutrum wie das Beste oder das Einzige und wenn sich der Relativsatz auf den ganzen Hauptsatz bezieht. Braucht man dort eine Präposition, verschmilzt sie zu worüber, womit, wofür.

