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B1Mittelstufe3 Min. LesezeitAktualisiert

Futur I: werden + Infinitiv — Bildung, Gebrauch und Wortstellung

Futur I besteht aus werden und dem Infinitiv am Satzende. Im Alltag steht für Zukünftiges das Präsens; Futur I zeigt Prognose, Versprechen, Vermutung.

Regel

Das Futur I besteht aus dem konjugierten Verb werden auf Position 2 und dem Infinitiv am Satzende: Ich werde dich morgen anrufen. Nur du wirst und er/sie/es wird weichen vom regelmäßigen Muster ab — ich werde, du wirst, er/sie/es wird, wir werden, ihr werdet, sie/Sie werden —, das zweite Verb bleibt unverändert im Infinitiv.

Wichtig ist die Einschränkung: Über Zukünftiges spricht man im Alltag meistens im Präsens. Sobald eine Zeitangabe oder der Kontext die Zukunft deutlich macht, genügt die Präsensform: Nächste Woche fahre ich nach Hamburg. Typische Zeitangaben sind morgen, übermorgen, gleich, später, bald, heute Abend, nächste Woche, in zwei Jahren.

Das Futur I übernimmt drei Aufgaben:

  • Prognose und Vorhersage, besonders bei Dingen, die niemand planen kann: Die Temperaturen werden in den nächsten Tagen steigen.
  • Versprechen, feste Absicht, nachdrückliche Ankündigung: Wir werden unser Bestes geben.
  • Vermutung, meist gestützt durch wohl, wahrscheinlich, sicher, bestimmt oder schon — das Futur I trägt die Vermutung auch ohne ein solches Wort (Er wird noch im Büro sein). Ob die Vermutung das Jetzt oder das Später betrifft, entscheidet das Prädikat: Ein Zustand hält sie in der Gegenwart (Er wird wohl noch im Büro sein heißt, dass er vermutlich gerade jetzt dort ist), ein Ereignis verschiebt sie in die Zukunft (Das wird dir bestimmt gefallen). Eine Zeitangabe wie morgen weist immer nach vorn.

Die Wortstellung folgt der bekannten Satzklammer: werden steht im Aussagesatz auf Position 2, nach einem vorangestellten Satzglied folgt das Subjekt direkt auf werden (Morgen werde ich früh aufstehen); in der Ja/Nein-Frage rückt werden auf Position 1 (Wirst du morgen kommen?). Im Nebensatz wandert die ganze Verbgruppe ans Ende, werden steht hinter dem Infinitiv: …, dass er morgen kommen wird. Mit einem Modalverb steht zuerst der Infinitiv des Vollverbs, dann der Infinitiv des Modalverbs: Du wirst am Wochenende arbeiten müssen. Bei diesem doppelten Infinitiv steht das finite wird im Nebensatz vor beiden Infinitiven: …, dass du am Wochenende wirst arbeiten müssen.

Daneben gibt es das Futur II (werden + Partizip II + haben/sein) für eine Handlung, die in der Zukunft schon abgeschlossen ist — mehr dazu in den Fragen unten.

Beispiele

  • Nächste Woche fahre ich nach Hamburg.
  • Ich werde dich morgen anrufen.
  • Wir werden unser Bestes geben.
  • Die Temperaturen werden in den nächsten Tagen steigen.
  • In zwanzig Jahren wird kaum jemand noch Bargeld benutzen.
  • Das wird dir bestimmt gefallen.
  • Er wird wohl noch im Büro sein.
  • Du wirst am Wochenende leider arbeiten müssen.
  • Ich hoffe, dass der Regen bald aufhören wird.

Übersicht

Person werden Futur I (kommen)
ich werde ich werde kommen
du wirst du wirst kommen
er/sie/es wird er wird kommen
wir werden wir werden kommen
ihr werdet ihr werdet kommen
sie/Sie werden sie werden kommen
Satztyp Position von werden Beispiel
Aussagesatz Position 2, Infinitiv am Ende Ich werde dich morgen anrufen.
vorangestelltes Satzglied Position 2, Subjekt danach Morgen werde ich früh aufstehen.
Ja/Nein-Frage Position 1 Wirst du morgen kommen?
W-Frage Position 2 Wann wirst du mit der Arbeit fertig sein?
Nebensatz ganz am Ende, hinter dem Infinitiv Ich hoffe, dass der Regen bald aufhören wird.
Modalverb (Hauptsatz) Position 2, Infinitiv + Modalverb-Infinitiv am Ende Du wirst am Wochenende arbeiten müssen.
Modalverb (Nebensatz) vor beiden Infinitiven …, dass du am Wochenende wirst arbeiten müssen.

Typische Fehler

  • ❌ Ich werde dich morgen angerufen. → ✅ Ich werde dich morgen anrufen. — Nach werden bleibt das zweite Verb im Infinitiv; werden + Partizip II ist das Muster des Passivs (du wirst angerufen).
  • ❌ Wir werden besuchen dich am Sonntag. → ✅ Wir werden dich am Sonntag besuchen. — Der Infinitiv schließt den Satz; nur werden steht auf Position 2.
  • ❌ Ich hoffe, dass er morgen wird kommen. → ✅ Ich hoffe, dass er morgen kommen wird. — Im Nebensatz steht werden hinter dem Infinitiv; eine Ausnahme ist der doppelte Infinitiv mit Modalverb.
  • ❌ Du wirst am Wochenende müssen arbeiten. → ✅ Du wirst am Wochenende arbeiten müssen. — Beim Modalverb steht zuerst der Infinitiv des Vollverbs, danach der Infinitiv des Modalverbs.
  • ❌ Ich werde morgen zu arbeiten. → ✅ Ich werde morgen arbeiten. — werden verlangt den reinen Infinitiv, nie einen Infinitiv mit zu.

Verwandte Themen

Weil das Alltagsfutur das Präsens ist, lohnt sich ein Blick in das Kapitel zur Präsenskonjugation; die Satzklammer, die das Futur I übernimmt, erklärt das Kapitel zum Satzbau. Den doppelten Infinitiv behandelt das Kapitel zu den Modalverben, die zweite große Aufgabe von werden das Kapitel zum Passiv, und den Unterschied zu würde das Kapitel zum Konjunktiv II.

Häufige Fragen

Wie bildet man das Futur I?

Mit der konjugierten Form von werden auf Position 2 und dem Infinitiv am Satzende: ich werde, du wirst, er/sie/es wird, wir werden, ihr werdet, sie/Sie werden — Ich werde dich morgen anrufen.

Muss man über die Zukunft immer im Futur I sprechen?

Nein. Sobald eine Zeitangabe oder der Kontext die Zukunft deutlich macht, benutzt man das Präsens: Nächste Woche fahre ich nach Hamburg. Das Futur I bleibt für Prognosen, Versprechen und Vermutungen.

Meint „Er wird wohl noch im Büro sein“ die Gegenwart oder die Zukunft?

Die Gegenwart, denn sein bezeichnet einen Zustand: Bei einem Zustand betrifft die Vermutung das Jetzt. Ein Ereignis verschiebt sie in die Zukunft: Das wird dir bestimmt gefallen. Eine Zeitangabe wie morgen weist ebenfalls immer nach vorn.

Was ist der Unterschied zwischen werden und würde?

werden sagt etwas Reales über die Zukunft: Ich werde dich morgen anrufen. würde + Infinitiv ist Konjunktiv II und markiert etwas Irreales oder Höfliches: Ich würde dich anrufen, wenn ich deine Nummer hätte.

Was ist das Futur II?

Das Futur II besteht aus werden + Partizip II + haben/sein: Bis Freitag werde ich den Bericht geschrieben haben. Es zeigt eine Handlung, die zu einem Zeitpunkt in der Zukunft abgeschlossen ist, oder eine Vermutung über die Vergangenheit: Er wird den Zug verpasst haben.