Verbkonjugation im Präsens: Endungen und Vokalwechsel
Der Verbstamm bekommt die Endungen -e, -st, -t, -en, -t, -en; starke Verben wechseln bei du und er/sie/es den Stammvokal: a→ä, e→i, e→ie.
Regel
Deutsche Verben werden durch Endungen konjugiert. Man nimmt den Infinitiv, streicht -en (bei sammeln, ändern, tun nur -n) und hängt an den so entstandenen Stamm die Personalendung an: mach-en → ich mache, du machst, er macht, wir machen, ihr macht, sie/Sie machen. Die Formen für wir, sie und Sie sind mit dem Infinitiv identisch — einzige Ausnahme ist sein. Zu lernen sind also nur vier Formen.
Drei Schreibregeln halten das Muster aussprechbar:
- Stämme auf -d oder -t sowie auf Konsonant + -m/-n (arbeiten, warten, finden, antworten, atmen, rechnen, öffnen) bekommen ein zusätzliches -e-: du arbeitest, er arbeitet, ihr arbeitet. Zwei Ausnahmen: Steht vor dem -m/-n ein l, r oder h, entfällt das -e- (lernen → du lernst, wohnen → du wohnst, filmen → du filmst); ebenso bei starken Verben mit Vokalwechsel (halten → du hältst, er hält; raten → du rätst, er rät).
- Stämme auf -s, -ß, -z, -x (reisen, heißen, tanzen, sitzen, putzen, mixen) verkürzen die du-Endung zu -t. Die du-Form und die er-Form sind dann gleich: du heißt / er heißt.
- Infinitive auf -eln (sammeln, lächeln) verlieren in der ich-Form das e des Stammes: ich sammle, ich lächle. Infinitive auf -ern (ändern, wandern) behalten es: ich ändere, ich wandere (die Kurzform ich ändre ist eine Nebenvariante).
Der zweite Punkt ist der Wechsel des Stammvokals bei den starken Verben (Verben mit unregelmäßigem Stamm). Er passiert nur bei du und er/sie/es, nie bei ich, wir, ihr oder sie/Sie:
- a → ä: fahren, schlafen, tragen, fallen, halten (du hältst, er hält), raten (du rätst, er rät)
- au → äu: laufen (du läufst, er läuft)
- e → i: sprechen, helfen, essen (du isst), geben (du gibst), treffen, nehmen (du nimmst, er nimmt)
- e → ie: sehen, lesen (du liest), empfehlen
Welches Verb den Vokal wechselt, sieht man dem Infinitiv nicht an — lernen Sie die du-Form deshalb immer mit. Eigene Muster haben sein, haben, werden und möchten sowie die Modalverben; bei trennbaren Verben wandert außerdem die Vorsilbe (das trennbare Präfix) ans Satzende, während der konjugierte Teil auf Position zwei bleibt.
Das Präsens deckt viel ab: die Gegenwart, Gewohnheiten, allgemeine Feststellungen und — zusammen mit einer Zeitangabe — auch die Zukunft. Nach seit steht es ebenfalls, wenn eine Handlung früher begonnen hat und noch andauert.
Beispiele
- Ich lerne jeden Tag zwanzig neue Wörter.
- Arbeitest du auch am Wochenende?
- Er fährt jeden Morgen mit dem Rad ins Büro.
- Was liest du gerade?
- Wir sprechen zu Hause nur Deutsch.
- Ihr wartet schon eine halbe Stunde.
- Wie heißt deine Schwester?
- Sie sammelt alte Postkarten.
- Morgen beginnt der Kurs um neun Uhr.
- Ich wohne seit zwei Jahren in Hamburg.
Übersicht
| Person | Endung | machen | arbeiten | heißen | fahren (a→ä) | sprechen (e→i) | sehen (e→ie) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| ich | -e | mache | arbeite | heiße | fahre | spreche | sehe |
| du | -st | machst | arbeitest | heißt | fährst | sprichst | siehst |
| er/sie/es | -t | macht | arbeitet | heißt | fährt | spricht | sieht |
| wir | -en | machen | arbeiten | heißen | fahren | sprechen | sehen |
| ihr | -t | macht | arbeitet | heißt | fahrt | sprecht | seht |
| sie/Sie | -en | machen | arbeiten | heißen | fahren | sprechen | sehen |
| Wechsel | Infinitiv | du | er/sie/es |
|---|---|---|---|
| a → ä | fahren | fährst | fährt |
| au → äu | laufen | läufst | läuft |
| e → i | nehmen | nimmst | nimmt |
| e → ie | lesen | liest | liest |
Typische Fehler
- ❌ Du arbeitst heute lange. → ✅ Du arbeitest heute lange. — Nach einem Stamm auf -d oder -t steht ein zusätzliches -e- vor der Endung.
- ❌ Er sprecht sehr schnell. → ✅ Er spricht sehr schnell. — sprechen ist ein starkes Verb: In der er-Form wird aus e ein i.
- ❌ Wie heißst du? → ✅ Wie heißt du? — Nach -s, -ß, -z, -x verkürzt sich die du-Endung zu -t.
- ❌ Ihr fährt nach Wien. → ✅ Ihr fahrt nach Wien. — Der Vokalwechsel gilt nur für du und er/sie/es; ihr behält den einfachen Stamm.
- ❌ Ich habe seit zwei Jahren in Hamburg gewohnt. → ✅ Ich wohne seit zwei Jahren in Hamburg. — Was noch andauert, steht nach seit im Präsens, nicht im Perfekt.
Verwandte Themen
Die Personalpronomen gehören direkt zu den sechs Endungen und sollten parallel gelernt werden. Danach folgen die Verben mit eigenem Muster: sein, haben und möchten, die Modalverben sowie die trennbaren Verben. Wo genau das konjugierte Verb im Satz steht, klärt das Kapitel zum Satzbau.
Häufige Fragen
Welche Endungen hat das Präsens?
An den Stamm (Infinitiv ohne -en bzw. ohne -n) kommen -e (ich), -st (du), -t (er/sie/es), -en (wir), -t (ihr), -en (sie/Sie). Die Formen für wir, sie und Sie sehen genauso aus wie der Infinitiv; die einzige Ausnahme ist sein.
Bei welchen Verben ändert sich der Stammvokal?
Bei den starken Verben, und zwar nur bei du und er/sie/es: a→ä (fahren – du fährst, raten – er rät), au→äu (laufen – du läufst), e→i (sprechen – du sprichst, nehmen – du nimmst), e→ie (lesen – du liest).
Warum heißt es du arbeitest und nicht du arbeitst?
Endet der Stamm auf -d oder -t oder auf Konsonant + -m/-n (atmen, rechnen), schiebt man ein -e- ein, damit die Endung sprechbar bleibt: du arbeitest, er arbeitet, ihr arbeitet. Kein -e- steht nach l, r, h (du lernst, du wohnst) und bei starken Verben mit Vokalwechsel (du hältst).
Gibt es im Deutschen eine Verlaufsform wie I am working?
Nein. Das Deutsche hat nur ein Präsens: ich arbeite bedeutet beides, die Handlung jetzt und die Gewohnheit. Den Unterschied tragen Wörter wie gerade, immer oder oft.
Kann das Präsens auch die Zukunft ausdrücken?
Ja. Mit einer Zeitangabe ist das Präsens die normale Form für die Zukunft: Morgen beginnt der Kurs um neun Uhr. Futur I mit werden benutzt man vor allem für Vermutungen und Versprechen.

