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B1Mittelstufe3 Min. LesezeitAktualisiert

Das Präteritum: Formen, Endungen und Gebrauch

Schwache Verben bilden das Präteritum mit -te (machte), starke mit Vokalwechsel ohne Endung bei ich/er (ging). Geschrieben: Präteritum, gesprochen: Perfekt.

Regel

Das Präteritum ist die einteilige Vergangenheitsform: kein Hilfsverb, das Verb selbst trägt das Zeichen der Vergangenheit — ich machte, ich ging. Präteritum und Perfekt nennen dieselben vergangenen Sachverhalte; das Perfekt kann zusätzlich das Ergebnis in der Gegenwart betonen.

Es gibt drei Bildungstypen:

  • Schwache (regelmäßige) Verben — Stamm + -te + Personalendung: machen → ich machte, du machtest, er machte, wir machten, ihr machtet, sie machten. Endet der Stamm auf -t oder -d (ebenso öffn-, rechn-, atm-, regn-), kommt ein -e- dazu: arbeitete, wartete, öffnete. Ein Stamm auf -n allein reicht dafür nicht: wohnen → wohnte, lernen → lernte.
  • Starke Verben — der Stammvokal wechselt, und dieser Wechsel allein markiert die Vergangenheit. Deshalb stehen ich und er/sie/es ohne Endung: gehen → ich ging, du gingst, er ging, wir gingen, ihr gingt, sie gingen. Starke Stämme auf -d oder -t schieben vor der du-/ihr-Endung ein -e- ein: du fandest, ihr fandet.
  • Mischverben — veränderter Stamm und schwache -te-Endungen: bringen → brachte, denken → dachte, kennen → kannte, nennen → nannte, rennen → rannte, brennen → brannte, wissen → wusste.

sein, haben und werden sind unregelmäßig und sehr häufig: war, hatte, wurde. Die Modalverben werden schwach gebildet und verlieren den Umlaut: dürfen → durfte, können → konnte, mögen → mochte, müssen → musste; wollen → wollte und sollen → sollte hatten nie einen. Achtung: könnte, müsste, dürfte, möchte — und umgangssprachlich bräuchte — sind Konjunktiv II (Höflichkeit, Möglichkeit), keine Vergangenheit; nur sollte und wollte sehen in beiden Formen gleich aus, hier entscheidet der Kontext.

Die Wortstellung bleibt wie im Präsens, denn das Präteritum ist eine einzige finite Verbform: Sie steht im Hauptsatz auf Position 2, eine trennbare Vorsilbe rückt ans Satzende (Der Zug fuhr pünktlich ab), im Nebensatz wandert das ganze Verb nach hinten (…, weil der Zug pünktlich abfuhr).

Wann welche Zeitform? Geschrieben wird das Präteritum: in Erzählungen, Romanen, Märchen, Nachrichten, Berichten und Lebensläufen. Gesprochen wird das Perfekt: im Gespräch, im Chat, in lockeren Nachrichten. Die Ausnahme gilt in beide Richtungen: sein, haben, werden, die Modalverben und es gibt (→ es gab) stehen auch im Gespräch im Präteritum — Ich war krank klingt viel natürlicher als Ich bin krank gewesen.

Beispiele

  • Als Kind spielte ich jeden Tag im Hof.
  • Wir wohnten damals in einer kleinen Wohnung in Leipzig.
  • Er arbeitete zehn Jahre lang bei derselben Firma.
  • Sie ging zur Post und kaufte Briefmarken.
  • Der Zug fuhr pünktlich ab und kam um acht in München an.
  • Ich brachte ihr Blumen, weil sie Geburtstag hatte.
  • Niemand wusste, wo der Schlüssel war.
  • Es gab damals noch kein Internet.
  • Gestern war ich müde und hatte keine Lust auf das Konzert.
  • Es wurde dunkel, und wir mussten nach Hause gehen.

Übersicht

Person schwach: machen schwach mit -e-: arbeiten stark: gehen gemischt: bringen
ich machte arbeitete ging brachte
du machtest arbeitetest gingst brachtest
er/sie/es machte arbeitete ging brachte
wir machten arbeiteten gingen brachten
ihr machtet arbeitetet gingt brachtet
sie/Sie machten arbeiteten gingen brachten
Person sein haben werden
ich war hatte wurde
du warst hattest wurdest
er/sie/es war hatte wurde
wir waren hatten wurden
ihr wart hattet wurdet
sie/Sie waren hatten wurden
Modalverb Präteritum Beispiel
dürfen durfte Ich durfte abends nicht fernsehen.
können konnte Er konnte damals kein Deutsch.
mögen mochte Sie mochte den Film nicht.
müssen musste Wir mussten früh aufstehen.
sollen sollte Ich sollte um acht da sein.
wollen wollte Er wollte nicht mitkommen.
Infinitiv Präteritum Infinitiv Präteritum
gehen ging finden fand
kommen kam schreiben schrieb
fahren fuhr bleiben blieb
geben gab stehen stand
sehen sah trinken trank
sprechen sprach bringen (gemischt) brachte
nehmen nahm denken (gemischt) dachte
kennen (gemischt) kannte wissen (gemischt) wusste

Typische Fehler

  • ❌ Ich gingte nach Hause. → ✅ Ich ging nach Hause. — Starke Verben zeigen die Vergangenheit im Vokal und haben bei ich und er/sie/es keine Endung; -te gehört zu den schwachen Verben.
  • ❌ Er arbeitte den ganzen Tag. → ✅ Er arbeitete den ganzen Tag. — Nach einem Stamm auf -t oder -d steht vor der Endung -te ein zusätzliches -e-.
  • ❌ Ich denkte, du kommst später. → ✅ Ich dachte, du kommst später. — Mischverben verändern den Stamm und nehmen die schwache Endung -te.
  • ❌ Ich könnte dich gestern nicht erreichen. → ✅ Ich konnte dich gestern nicht erreichen. — Das Präteritum der Modalverben hat keinen Umlaut; könnte ist Konjunktiv II.
  • ❌ Der Zug abfuhr pünktlich. → ✅ Der Zug fuhr pünktlich ab. — Im Hauptsatz steht die trennbare Vorsilbe am Ende, genau wie im Präsens.

Verwandte Themen

Die gesprochene Schwester des Präteritums ist das Perfekt; wie es mit haben oder sein und dem Partizip II gebildet wird, steht in einem eigenen Kapitel. Das Plusquamperfekt setzt war und hatte mit einem Partizip II zusammen und beschreibt, was noch davor geschah. Eigene Kapitel haben außerdem die Modalverben, die Verben sein und haben sowie die trennbaren Verben, die erklären, warum die Vorsilbe ans Satzende rückt.

Häufige Fragen

Wie bildet man das Präteritum?

Schwache Verben: Stamm + -te + Endung (machte, arbeitete). Starke Verben: veränderter Stammvokal und keine Endung bei ich und er/sie/es (ging, kam, fuhr). Mischverben: veränderter Stamm plus -te (brachte, dachte, wusste).

Präteritum oder Perfekt — was benutzt man wann?

Beide Zeiten nennen dieselben vergangenen Sachverhalte; das Perfekt kann zusätzlich das Ergebnis in der Gegenwart betonen. Das Präteritum ist die Zeitform geschriebener Texte (Erzählung, Bericht, Nachricht), das Perfekt die normale Vergangenheit im Gespräch. sein, haben, werden, die Modalverben und es gibt (es gab) stehen auch gesprochen im Präteritum; in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz weichen sogar war und hatte im Gespräch oft dem Perfekt.

Wie lauten die Präteritumformen von sein, haben und werden?

war, warst, war, waren, wart, waren; hatte, hattest, hatte, hatten, hattet, hatten; wurde, wurdest, wurde, wurden, wurdet, wurden. Diese drei Verben sind die häufigsten Vergangenheitsformen überhaupt.

Heißt es konnte oder könnte?

konnte ist Präteritum und nennt eine Tatsache in der Vergangenheit (Ich konnte nicht kommen); könnte ist Konjunktiv II und drückt Möglichkeit oder Höflichkeit aus (Ich könnte morgen kommen). Im Präteritum verlieren die Modalverben den Umlaut: durfte, konnte, mochte, musste.

Warum haben ich und er/sie/es bei starken Verben keine Endung?

Bei starken Verben ist schon der veränderte Vokal das Zeichen für die Vergangenheit, eine zusätzliche Endung wäre überflüssig. Deshalb sind ich ging und er ging gleich, während du gingst, wir gingen, ihr gingt und sie gingen die üblichen Endungen tragen.