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B1Mittelstufe3 Min. LesezeitAktualisiert

Adjektivdeklination: Endungen nach der-Wörtern, ein-Wörtern und ohne Artikel

Die Endung hängt vom Artikel ab: nach der-Wörtern fünfmal -e und sonst -en, nach ein-Wörtern -er/-es, ohne Artikel trägt das Adjektiv die Kasusendung.

Regel

Ein Adjektiv bekommt nur dann eine Endung, wenn es direkt vor einem Nomen steht (attributiver Gebrauch). Nach sein, werden, bleiben und als Adverb bleibt es unverändert: Das Zimmer ist hell. Er fährt schnell.

Welche Endung es bekommt, hängt vom Wort davor ab. Daraus ergeben sich drei Muster:

  • schwach — nach einem der-Wort: der, die, das, dieser, jener, jeder, welcher, mancher, solcher, alle, beide, sämtliche;
  • gemischt — nach einem ein-Wort: ein, eine, kein und die Possessivartikel mein, dein, sein, ihr, unser, euer, Ihr;
  • stark — ohne Artikel (Nullartikel, also gar kein Begleiter), besonders bei Stoffnamen und im Plural sowie nach den endungslosen Wörtern etwas, viel, wenig, mehr.

Für die schwache Deklination gilt die 5er-Regel: Von sechzehn Formen enden nur fünf auf -e — Nominativ maskulin, feminin, neutrum sowie Akkusativ feminin und neutrum. Die anderen elf enden auf -en, also der komplette Dativ, der komplette Genitiv und der komplette Plural.

Die gemischte Deklination ist die schwache mit drei geänderten Formen: Dort, wo ein selbst keine Endung hat (Nominativ maskulin, Nominativ und Akkusativ neutrum), übernimmt das Adjektiv das Genussignal: ein gut*er Wein*, ein gut*es Bier*. Im Plural verhalten sich die ein-Wörter (keine, meine …) wie der-Wörter, die Endung ist also -en.

Ohne Artikel trägt das Adjektiv die Endung, die sonst der bestimmte Artikel hätte: gut*er Wein*, gut*em Wein*, gut*e Ideen*. Eine Abweichung gibt es: Im Genitiv Singular maskulin und neutrum steht -en statt -es, weil das Nomen bereits ein -s zeigt (gut*en Weines*).

Zwei Zusätze lohnen sich zum Auswendiglernen. Nach viele, einige, wenige, mehrere, andere bleibt die starke Pluralendung (viele gute Ideen), nach alle, beide, sämtliche steht dagegen -en (alle guten Ideen). Und vor einer Endung verändern einige Adjektive den Stamm: hoch wird zu hoh- (ein hoher Turm), dunkel zu dunkl- (ein dunkler Raum), teuer zu teur- (ein teures Hotel). sauber und bitter behalten ihr -e- (ein sauberes Hemd). Stehen mehrere Adjektive nebeneinander, bekommen alle dieselbe Endung: ein großes, helles Zimmer.

Beispiele

  • Der neue Kollege kommt aus Wien.
  • Ich suche eine günstige Wohnung.
  • Sie hat ein kleines Zimmer bekommen.
  • Wir wohnen in einem alten Haus.
  • Das ist das Fahrrad meines älteren Bruders.
  • Zum Frühstück trinke ich schwarzen Kaffee.
  • Wir suchen Mitarbeiter mit guten Englischkenntnissen.
  • Sie hat viele interessante Bücher gelesen.
  • Alle neuen Studenten bekommen einen Ausweis.
  • Das Zimmer ist hell; wir haben auch ein helles Bad.
  • Vor dem Bahnhof steht ein hoher Turm.
  • Wir haben ein teures Hotel gebucht.

Übersicht

Schwach — nach der-Wörtern:

Kasus maskulin neutrum feminin Plural
Nominativ der gute Wein das gute Bier die gute Idee die guten Weine
Akkusativ den guten Wein das gute Bier die gute Idee die guten Weine
Dativ dem guten Wein dem guten Bier der guten Idee den guten Weinen
Genitiv des guten Weines des guten Bieres der guten Idee der guten Weine

Gemischt — nach ein-Wörtern:

Kasus maskulin neutrum feminin Plural
Nominativ ein guter Wein ein gutes Bier eine gute Idee meine guten Weine
Akkusativ einen guten Wein ein gutes Bier eine gute Idee meine guten Weine
Dativ einem guten Wein einem guten Bier einer guten Idee meinen guten Weinen
Genitiv eines guten Weines eines guten Bieres einer guten Idee meiner guten Weine

Stark — ohne Artikel:

Kasus maskulin neutrum feminin Plural
Nominativ guter Wein gutes Bier gute Idee gute Weine
Akkusativ guten Wein gutes Bier gute Idee gute Weine
Dativ gutem Wein gutem Bier guter Idee guten Weinen
Genitiv guten Weines guten Bieres guter Idee guter Weine

Typische Fehler

  • ❌ Ich habe ein neuer Wagen gekauft. → ✅ Ich habe einen neuen Wagen gekauft. — Im Akkusativ maskulin ändern sich beide Teile; -er gehört zum Nominativ.
  • ❌ Der klein Hund bellt. → ✅ Der kleine Hund bellt. — Vor einem Nomen bekommt das Adjektiv immer eine Endung; die Grundform steht nur nach sein/werden/bleiben.
  • ❌ Wir sprechen mit dem neue Kollegen. → ✅ Wir sprechen mit dem neuen Kollegen. — Nach einem Artikelwort endet im Dativ jede Form auf -en.
  • ❌ Ich habe viele guten Freunde. → ✅ Ich habe viele gute Freunde. — viele ist kein Artikelwort, deshalb bleibt die starke Pluralendung -e; nur nach alle/beide heißt es -en (alle guten Freunde).
  • ❌ Das ist ein hoches Gebäude. → ✅ Das ist ein hohes Gebäude. — Vor einer Endung wird hoch zu hoh-, ebenso dunkel zu dunkl- und teuer zu teur-.

Verwandte Themen

Die drei Muster bauen auf den Artikelformen auf: Wer die Endungen des bestimmten und des unbestimmten Artikels sicher kennt, muss beim Adjektiv nur noch das passende Muster wählen. Komparativ und Superlativ vor einem Nomen werden genauso dekliniert (ein schnelleres Auto, der schnellste Zug), und dieselben Endungen erscheinen wieder, wenn ein Adjektiv zu einem Nomen wird. Wie der Genitiv des Nomens selbst gebildet wird, steht im eigenen Kapitel.

Häufige Fragen

Wie finde ich die richtige Adjektivendung?

Entscheidend ist das Wort davor: nach einem der-Wort (der, dieser, jeder, alle) gilt die schwache Deklination, nach einem ein-Wort (ein, kein, mein) die gemischte, ohne Artikel die starke. Danach richtet sich die Endung nach Kasus, Genus und Numerus.

Was ist die 5er-Regel nach der, die, das?

Nach der-Wörtern enden nur fünf von sechzehn Formen auf -e: Nominativ maskulin, feminin und neutrum sowie Akkusativ feminin und neutrum. Die übrigen elf Formen — der ganze Dativ, der ganze Genitiv und der ganze Plural — enden auf -en.

Warum heißt es ein guter Wein, aber der gute Wein?

In drei Fällen (Nominativ maskulin, Nominativ und Akkusativ neutrum) hat ein keine eigene Endung. Dann übernimmt das Adjektiv das Signal: guter, gutes, gutes. In allen anderen Formen ist die gemischte Deklination mit der schwachen identisch.

Welche Endung steht nach viele, einige, wenige und alle?

viele, einige, wenige, mehrere und andere sind keine Artikelwörter, deshalb behält das Adjektiv die starke Pluralendung: viele gute Ideen, mit vielen guten Ideen. alle, beide und sämtliche sind der-Wörter, also schwach: alle guten Ideen.

Wann bleibt das Adjektiv ohne Endung — und was passiert mit hoch, dunkel und teuer?

Ohne Endung steht es nach sein, werden und bleiben sowie als Adverb: Das Zimmer ist hell. Er fährt schnell. Sobald eine Endung dazukommt, wird hoch zu hoher, dunkel zu dunkler und teuer zu teures; sauber und bitter behalten ihr -e- (sauberes, bitterer).