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B2Obere Mittelstufe3 Min. LesezeitAktualisiert

Nominalisierung: aus Verben und Adjektiven Nomen machen

Aus Verben werden Nomen (das Lesen, die Erklärung), aus Adjektiven großgeschriebene Nomen mit Adjektivendung (ein Deutscher, etwas Neues).

Regel

Nominalisierung heißt: Ein Verb oder ein Adjektiv wird als Nomen benutzt. Dabei passiert zweierlei — das Wort wird großgeschrieben, und es braucht ein Nomen-Signal davor: einen Artikel, eine Präposition (meist zusammen mit dem Artikel), einen Possessivartikel oder ein attributives Adjektiv, oder eines der Wörter etwas, nichts, viel, wenig, alles. Fehlt dieses Signal, bleibt das Wort ein Verb oder ein Adjektiv und wird kleingeschrieben: Ich lese gern.Das Lesen macht Spaß.

Aus Verben entstehen Nomen nach sechs Mustern. Der Infinitiv wird zu einem neutralen Nomen und bezeichnet die Tätigkeit als Vorgang: lesen → das Lesen (Genitiv des Lesens); nur wenige davon bilden einen Plural (das Schreiben → die Schreiben). Vier weitere Muster liefern zählbare Nomen für ein einzelnes Ereignis oder dessen Ergebnis: Stamm + -ung ist feminin (erklären → die Erklärung), der reine Stamm meist maskulin (besuchen → der Besuch), Stamm + -e und Stamm + -t sind feminin (fragen → die Frage, fahren → die Fahrt). Stamm + -er bezeichnet die handelnde Person (fahren → der Fahrer, die Fahrerin). Zwei Einschränkungen: Die -ung-Regel gilt für echte Ableitungen vom Verbstamm, nicht für jedes Wort auf diese Buchstaben (der Sprung ist maskulin), und -er ist hier ein Suffix, keine allgemeine Genusregel (das Fenster).

Adjektive werden ohne Suffix zu Nomen, behalten aber ihre Adjektivendungen — man kann sich ein attributives Adjektiv vorstellen, dessen Nomen weggelassen wurde. So entstehen der Deutsche, ein Deutscher, die Deutschen, ebenso der Kranke, der Fremde, der Bekannte, der Erwachsene, der Jugendliche. Neutrale Formen benennen eine Eigenschaft: das Neue, das Gute, das Beste. Nach etwas, nichts, viel, wenig steht die starke Endung -es (etwas Neues), nach alles die schwache Endung -e (alles Gute); klein bleibt nur ander- (etwas anderes). Aus Adjektiven entstehen außerdem feste Nomen auf -heit/-keit (die Freiheit, die Möglichkeit) — sie sind gewöhnliche Nomen und bekommen keine Adjektivendung.

Partizipien funktionieren genau wie Adjektive: der Angestellte, der Vorsitzende (= die Person, die eine Sitzung oder einen Verein leitet), der Reisende, die Studierenden, die Verletzten. Das Partizip I nennt die Person, die gerade handelt, das Partizip II die Person, die betroffen ist. Eine unregelmäßige Reihe: der Beamte / ein Beamter, weiblich aber die Beamtin.

Der Nominalstil gehört zur formellen Schriftsprache — Gesetze, Behördenbriefe, wissenschaftliche Texte, Anleitungen, Schilder und Überschriften (Rauchen verboten). Ganze Nebensätze in Nomengruppen umzuformen, ist ein eigenes Thema auf dem Niveau C1.

Beispiele

  • Das Rauchen ist im ganzen Gebäude verboten.
  • Beim Lesen höre ich gern Musik.
  • Sein lautes Lachen war im ganzen Haus zu hören.
  • Die Erklärung des Lehrers war sehr klar.
  • Der Besuch im Museum hat sich wirklich gelohnt.
  • Die Fahrt nach Hamburg dauert drei Stunden.
  • Der Deutsche am Nebentisch hat uns geholfen.
  • Gestern habe ich etwas Interessantes gelesen.
  • Wir wünschen dir alles Gute zum Geburtstag.
  • Die Angestellten der Firma streiken seit Montag.
  • Die Verletzten wurden sofort ins Krankenhaus gebracht.

Übersicht

Muster Verb Nomen Genus Bedeutung
Infinitiv lesen das Lesen neutrum, selten ein Plural die Tätigkeit als Vorgang
Stamm + -ung erklären die Erklärung feminin, Pl. -en Vorgang oder Ergebnis, zählbar
Stamm ohne Suffix besuchen der Besuch maskulin ein einzelnes Ereignis
Stamm + -e fragen die Frage feminin ein einzelnes Ereignis
Stamm + -t fahren die Fahrt feminin ein einzelnes Ereignis
Stamm + -er fahren der Fahrer / die Fahrerin maskulin / feminin die Person (oder ein Gerät)
Kasus maskulin (der-Wort) maskulin (ein-Wort) feminin Plural (mit Artikel) Plural (ohne Artikel)
Nominativ der Deutsche ein Deutscher die/eine Deutsche die Deutschen Deutsche
Akkusativ den Deutschen einen Deutschen die/eine Deutsche die Deutschen Deutsche
Dativ dem Deutschen einem Deutschen der/einer Deutschen den Deutschen Deutschen
Genitiv des Deutschen eines Deutschen der/einer Deutschen der Deutschen Deutscher
Signalwort Nominativ / Akkusativ Dativ
das das Neue, das Beste mit dem Neuen
alles alles Gute, alles Wichtige nach allem Guten
etwas, nichts etwas Neues, nichts Gutes mit etwas Neuem
viel, wenig viel Interessantes, wenig Schönes mit wenig Neuem

Typische Fehler

  • ❌ Das lesen macht mir Spaß. → ✅ Das Lesen macht mir Spaß. — Nach dem Artikel ist der Infinitiv ein Nomen und wird großgeschrieben; ohne dieses Signal bleibt er ein Verb (Ich lese gern).
  • ❌ Er ist ein Deutsche. → ✅ Er ist ein Deutscher. — Das nominalisierte Adjektiv behält seine Adjektivendung; nach ein braucht der Nominativ maskulin -er.
  • ❌ Ich habe etwas neues gehört. → ✅ Ich habe etwas Neues gehört. — Nach etwas, nichts, viel, wenig wird das Adjektiv zu einem neutralen Nomen: Großschreibung plus starke Endung -es.
  • Alles Gutes zum Geburtstag! → ✅ Alles Gute zum Geburtstag! — Nach alles steht die schwache Endung -e; die starke Endung -es gehört zu etwas und nichts.
  • ❌ Die Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. → ✅ Die Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht. — Im Plural nach einem der-Wort lautet die Endung -en; die Verletzte ist eine einzelne Frau.

Verwandte Themen

Wer bei der zweiten Tabelle unsicher wird, sollte zuerst die Adjektivdeklination wiederholen: Nominalisierte Adjektive und Partizipien verwenden genau dieselben schwachen, gemischten und starken Endungen. Wie man aus ganzen Nebensätzen Nomengruppen macht, steht im Kapitel zum Nominalstil auf dem Niveau C1; die erweiterten Partizipialattribute und der Genitiv als Ergänzung solcher Nomen haben ebenfalls eigene Kapitel.

Häufige Fragen

Wann schreibt man ein Verb groß?

Sobald ein Nomen-Signal davorsteht: ein Artikel, eine Präposition (meist mit Artikel), ein Possessivartikel oder ein attributives Adjektiv. Ich lese gern — aber: Das Lesen macht Spaß, beim Lesen, sein lautes Lachen.

Welches Genus hat ein Nomen, das aus einem Verb gebildet ist?

Der nominalisierte Infinitiv ist immer neutrum und hat meist keinen Plural (das Lesen). Verbstamm + -ung ist feminin mit dem Plural -en (die Erklärung), der reine Stamm meist maskulin (der Besuch), Stamm + -e und Stamm + -t sind feminin (die Frage, die Fahrt), -er bezeichnet die handelnde Person (der Fahrer, die Fahrerin). Die -ung-Regel gilt nur für echte Ableitungen vom Verbstamm — der Sprung gehört nicht dazu.

Warum heißt es der Deutsche, aber ein Deutscher?

Weil das Wort formal ein Adjektiv bleibt: nach der-Wörtern schwache Endungen (der Deutsche), nach ein-Wörtern gemischte (ein Deutscher), im Plural mit Artikel -en (die Deutschen) und ohne Artikel starke Endungen (Deutsche).

Heißt es etwas Neues oder etwas neues, alles Gute oder alles Gutes?

Nach etwas, nichts, viel und wenig schreibt man groß und hängt die starke Endung -es an: etwas Neues, nichts Gutes. Nach alles steht die schwache Endung -e: alles Gute. Kleingeschrieben bleibt hier nur ander-: etwas anderes.

Wann benutzt man den Nominalstil?

In der formellen Schriftsprache — in Gesetzen, Behördenbriefen, wissenschaftlichen Texten, Anleitungen, auf Schildern und in Überschriften. Nomengruppen verdichten Informationen und erlauben es, die handelnde Person wegzulassen; gesprochen wirkt der Verbalstil verständlicher.