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A2Grundstufe3 Min. LesezeitAktualisiert

Der Imperativ: Formen für du, ihr und Sie

du = Verbstamm ohne Pronomen (Komm!), ihr = die Präsensform (Kommt!), Sie = Infinitiv + Sie (Kommen Sie!).

Regel

Mit dem Imperativ gibt man Befehle, Anweisungen und Bitten. Weil es im Deutschen drei Anreden gibt, gibt es auch drei Imperativformen: für du, für ihr und für Sie. In allen drei Formen steht das Verb vorn; davor kann noch bitte oder die Anrede stehen.

  • du: der Präsensstamm (die Verbform ohne Endung: komm-, geh-) ohne weitere Endung und ohne Pronomen — Komm!, Geh!, Mach! (bei den Verben mit e → i ändert sich der Stammvokal, siehe unten)
  • ihr: genau die Präsensform der 2. Person Plural, nur ohne Pronomen — Kommt!, Geht!, Macht!
  • Sie: Infinitiv + Sie; hier ist das Pronomen Pflicht und steht direkt hinter dem Verb — Kommen Sie!

Bei der du-Form entscheiden drei Regeln:

  • Die Endung -e ist obligatorisch, wenn der Stamm auf -d oder -t endet (Arbeite!, Warte!, Rede!), auf -ig (Entschuldige!) oder auf -m/-n nach einem anderen Konsonanten (Öffne!, Atme!, Rechne!) — nicht aber nach l, m, n, r (lernen → Lern!). Verben auf -eln behalten das -e und verlieren das e des Stammes: sammeln → Sammle!
  • Verben mit dem Vokalwechsel e → i/ie behalten diesen Vokal und bekommen nie ein -e: geben → Gib!, nehmen → Nimm!, essen → Iss!, lesen → Lies!, sehen → Sieh!, sprechen → Sprich!, helfen → Hilf!, vergessen → Vergiss!
  • Verben, die in der du-Form einen Umlaut bekommen (a → ä, au → äu), verlieren ihn hier: fahren → Fahr!, schlafen → Schlaf!, tragen → Trag!, laufen → Lauf!

Bei allen anderen Verben ist das -e freiwillig (Sag! / Sage!); in der gesprochenen Sprache fällt es meistens weg.

sein ist unregelmäßig: Sei! – Seid! – Seien Sie! Trennbare Verben stellen die Vorsilbe (auf-, an-, zu-) ans Ende (Steh auf!), reflexive Verben behalten ihr Pronomen direkt hinter dem Verb (Setz dich! – Setzt euch! – Setzen Sie sich!).

Verneint wird mit nicht hinter dem Verb und seinen Objekten, aber vor einer trennbaren Vorsilbe (Ruf mich nicht an!), oder mit kein vor einem Nomen (Mach keinen Lärm!). Die Wörter bitte, mal und doch machen den Ton freundlicher. Einen gemeinsamen Vorschlag drückt die wir-Form aus: Gehen wir!

Beispiele

  • Komm bitte um acht!
  • Wartet hier auf mich!
  • Nehmen Sie bitte Platz!
  • Sprich bitte langsamer!
  • Fahr nicht so schnell!
  • Öffne bitte das Fenster!
  • Ruf mich morgen an!
  • Setzen Sie sich bitte!
  • Sei bitte pünktlich!
  • Vergiss deinen Ausweis nicht!

Übersicht

Verb du ihr Sie
kommen (regelmäßig) Komm! Kommt! Kommen Sie!
arbeiten (Stamm auf -t) Arbeite! Arbeitet! Arbeiten Sie!
öffnen (Konsonant + n) Öffne! Öffnet! Öffnen Sie!
geben (e → i) Gib! Gebt! Geben Sie!
lesen (e → ie) Lies! Lest! Lesen Sie!
fahren (a → ä, kein Umlaut) Fahr! Fahrt! Fahren Sie!
anrufen (trennbar) Ruf an! Ruft an! Rufen Sie an!
sich setzen (reflexiv) Setz dich! Setzt euch! Setzen Sie sich!
sein (unregelmäßig) Sei! Seid! Seien Sie!

Typische Fehler

  • Gebe mir bitte das Buch! → ✅ Gib mir bitte das Buch! — Verben mit e → i behalten den gewechselten Vokal und bekommen kein -e.
  • Fähr langsamer! → ✅ Fahr langsamer! — Der Umlaut der du-Form erscheint im Imperativ nicht.
  • Arbeit nicht so viel! → ✅ Arbeite nicht so viel! — Ein Stamm auf -t oder -d braucht die Endung -e.
  • Warten bitte einen Moment! → ✅ Warten Sie bitte einen Moment! — In der Sie-Form ist das Pronomen Pflicht und steht direkt hinter dem Verb.
  • Anruf mich heute Abend! → ✅ Ruf mich heute Abend an! — Trennbare Verben stellen die Vorsilbe ans Satzende.

Verwandte Themen

Wenn ein Imperativ zu direkt klingt, ist eine Frage mit einem Modalverb die freundlichere Variante: Kannst du mir bitte helfen? oder Können Sie bitte warten? Welche Verben ihren Stammvokal wechseln, zeigt das Kapitel zur Präsenskonjugation — genau diese Verben haben die überraschenden du-Formen. Wie die Vorsilbe wandert und wo das Reflexivpronomen steht, steht in den Kapiteln zu den trennbaren und den reflexiven Verben.

Häufige Fragen

Wie bildet man den Imperativ für du?

Man nimmt die du-Form im Präsens und streicht die Personalendung samt Pronomen — also -st, nach einem Stamm auf -s/-ß nur -t: du kommst → Komm!, du sprichst → Sprich!, du liest → Lies! Ein Umlaut fällt dabei weg (du fährst → Fahr!), und Stämme auf -d, -t, -ig oder auf -m/-n nach einem anderen Konsonanten bekommen ein -e: Arbeite!, Öffne! Verben auf -eln ergeben Sammle!, Lächle!

Warum heißt es Gib!, aber Fahr!?

Der Vokalwechsel e → i/ie der du-Form bleibt im Imperativ erhalten (geben → Gib!, lesen → Lies!), der Umlaut a → ä und au → äu dagegen nicht (fahren → Fahr!, laufen → Lauf!).

Wie bittet man höflich mit Sie?

Infinitiv + Sie, das Verb steht vorn: Kommen Sie bitte! Das Pronomen Sie fällt nie weg, und sein hat eine eigene Form: Seien Sie vorsichtig! Mit bitte wird aus dem Befehl eine Bitte.

Heißt es Komm! oder Komme!?

Beides ist korrekt. Das -e ist bei den meisten Verben freiwillig und fällt in der gesprochenen Sprache meistens weg; Pflicht ist es nach -d, -t, -ig und nach -m/-n mit einem Konsonanten davor (Warte!, Öffne!), unmöglich bei den Verben mit e → i (Gib!).

Wie verneint man einen Imperativ?

Mit nicht hinter dem Verb und seinen Objekten: Vergiss das nicht! Bei trennbaren Verben steht nicht vor der Vorsilbe (Ruf mich nicht an!), vor einem Nomen steht kein: Mach keinen Lärm!