Reflexive Verben: sich im Akkusativ und Dativ, Formen und Stellung
Reflexive Verben richten die Handlung auf das Subjekt: mich, dich, sich, uns, euch — Akkusativ, aber Dativ, sobald ein Akkusativobjekt dabei ist.
Regel
Bei einem reflexiven Verb fällt die Handlung auf das Subjekt zurück: Wer handelt, ist zugleich die Person, der etwas geschieht. Das Deutsche markiert das mit einem Reflexivpronomen, das sich mit der Person ändert: ich wasche mich, du wäschst dich, er wäscht sich.
Man unterscheidet drei Gruppen:
- Echte reflexive Verben. Das Pronomen gehört zum Verb und lässt sich nicht durch ein anderes Objekt ersetzen: sich beeilen, sich erholen, sich erkälten, sich bedanken, sich schämen, sich befinden, sich verlieben, sich erinnern, sich freuen, sich interessieren. Man lernt sie mit sich, so wie ein Nomen mit seinem Artikel.
- Teilweise (unechte) reflexive Verben. Das sind normale Verben mit beliebigem Objekt; das Reflexivpronomen erscheint nur, wenn dieses Objekt das Subjekt selbst ist: (sich) waschen, (sich) anziehen, (sich) ausziehen, (sich) kämmen, (sich) rasieren, (sich) verletzen, (sich) setzen. Vergleiche Ich ziehe das Kind an und Ich ziehe mich an.
- Reziproker Gebrauch. Bei wir, ihr und sie kann das Pronomen „einer den anderen“ bedeuten: sich treffen, sich streiten, sich unterhalten, sich küssen, sich duzen. Wir treffen uns heißt normalerweise, dass wir einander treffen; zur Verdeutlichung stehen einander oder gegenseitig daneben.
Akkusativ oder Dativ? Das Reflexivpronomen steht normalerweise im Akkusativ. Es wechselt in den Dativ, sobald der Satz bereits ein Akkusativobjekt enthält: Ich wasche mich → Ich wasche mir die Hände. Nur ich und du haben dafür zwei verschiedene Formen, alle anderen Personen benutzen eine einzige. Ein Dativobjekt bewirkt den Wechsel nicht: Ich stelle mich dem Chef vor. Einige Wendungen stehen ohnehin im Dativ: sich etwas vorstellen (= sich etwas denken), sich etwas merken, sich etwas ansehen, sich etwas leisten, sich Sorgen machen.
Formen und Stellung. sich gilt für er/sie/es, sie (Plural) und die Höflichkeitsform Sie und wird auch dort kleingeschrieben: Setzen Sie sich. Das Perfekt bildet jedes reflexive Verb mit haben: Ich habe mich beeilt. Im Hauptsatz steht das Pronomen direkt nach dem konjugierten Verb (Gestern hat sich mein Bruder verletzt), nach einem Subjektpronomen aber erst danach (Gestern hat er sich verletzt); bei einem Nomen als Subjekt sind beide Reihenfolgen korrekt, die Variante mit dem Pronomen zuerst ist häufiger. Im Imperativ bleibt das Pronomen stehen: Beeil dich! Setzt euch! Beeilen Sie sich! Viele reflexive Verben haben zusätzlich eine feste Präposition (sich freuen auf, sich interessieren für, sich erinnern an) — dazu gibt es ein eigenes Kapitel.
Beispiele
- Ich muss mich beeilen, sonst verpasse ich den Zug.
- Wäschst du dir bitte vor dem Essen die Hände?
- Setzen Sie sich bitte!
- Im Urlaub haben wir uns gut erholt.
- Beim Sport hat er sich den Arm verletzt.
- Kannst du dir das vorstellen?
- Meine Eltern interessieren sich für moderne Kunst.
- Wir treffen uns morgen um acht vor dem Kino.
- Ich freue mich schon auf das Wochenende.
Übersicht
| Subjekt | Akkusativ | Dativ |
|---|---|---|
| ich | mich | mir |
| du | dich | dir |
| er / sie / es | sich | sich |
| wir | uns | uns |
| ihr | euch | euch |
| sie (Plural) | sich | sich |
| Sie (Höflichkeitsform) | sich | sich |
| Ohne Akkusativobjekt → Akkusativ | Mit Akkusativobjekt → Dativ |
|---|---|
| Ich wasche mich. | Ich wasche mir die Hände. |
| Ich ziehe mich an. | Ich ziehe mir die Jacke an. |
| Er verletzt sich. | Er verletzt sich den Arm. |
| Ich stelle mich vor. (= mich bekannt machen) | Ich stelle mir das vor. (= es mir denken) |
Typische Fehler
- ❌ Ich wasche mich die Hände. → ✅ Ich wasche mir die Hände. — die Hände ist schon das Akkusativobjekt, also steht das Reflexivpronomen im Dativ.
- ❌ Ich muss beeilen. → ✅ Ich muss mich beeilen. — sich beeilen ist echt reflexiv; ohne Pronomen ist der Satz unvollständig.
- ❌ Wir freuen sich auf den Urlaub. → ✅ Wir freuen uns auf den Urlaub. — Das Pronomen richtet sich nach dem Subjekt; sich gehört zu er/sie/es, sie (Plural) und Sie.
- ❌ Ich bin mich erkältet. → ✅ Ich habe mich erkältet. — Reflexive Verben bilden das Perfekt mit haben, auch wenn sie eine Veränderung beschreiben.
- ❌ Ich kann mich das nicht vorstellen. → ✅ Ich kann mir das nicht vorstellen. — sich etwas vorstellen im Sinne von „sich etwas denken“ verlangt den Dativ; der Akkusativ bedeutet „sich bekannt machen“.
Verwandte Themen
Die Reflexivpronomen sind eine kurze Zusatzreihe neben den Personalpronomen, und der Wechsel zwischen Akkusativ und Dativ folgt genau den Regeln der beiden Kasus. Viele dieser Verben verlangen zusätzlich eine feste Präposition; ihr Perfekt richtet sich nach den allgemeinen Regeln für das Partizip II.
Häufige Fragen
Was sind reflexive Verben?
Verben, bei denen das Objekt dieselbe Person ist wie das Subjekt. Sie stehen mit einem Reflexivpronomen, das sich mit der Person ändert: mich, dich, sich, uns, euch, sich. Im Wörterbuch steht deshalb sich beeilen, sich erholen.
Wann steht das Reflexivpronomen im Akkusativ, wann im Dativ?
Normalerweise im Akkusativ. Sobald der Satz schon ein Akkusativobjekt hat, wechselt es in den Dativ: Ich wasche mich, aber Ich wasche mir die Hände. Nur ich und du haben zwei Formen (mich/mir, dich/dir); ein Dativobjekt löst den Wechsel nicht aus.
Welche Verben brauchen immer sich?
Die echten reflexiven Verben: sich beeilen, sich erholen, sich erkälten, sich bedanken, sich schämen, sich befinden, sich verlieben, sich erinnern, sich freuen, sich interessieren. Verben wie waschen oder anziehen stehen nur dann mit sich, wenn das Objekt das Subjekt selbst ist.
Bildet man das Perfekt mit haben oder mit sein?
Immer mit haben, auch bei Verben der Veränderung wie sich erkälten: Ich habe mich beeilt. Das Pronomen bleibt vor dem Partizip stehen.
Wo steht das Reflexivpronomen im Satz?
Direkt nach dem konjugierten Verb: Gestern hat sich mein Bruder verletzt. Ist das Subjekt ein Pronomen, steht es davor: Gestern hat er sich verletzt. Im Imperativ bleibt das Pronomen erhalten (Beeil dich!) und in der Höflichkeitsform wird es kleingeschrieben (Setzen Sie sich.).

