BRAGIflash
Download on the App StoreGet it on Google Play
B1Mittelstufe3 Min. LesezeitAktualisiert

Infinitiv mit zu: wann zu steht und wann der reine Infinitiv genügt

zu + Infinitiv steht am Ende der Infinitivgruppe: nach Verben wie versuchen, nach Lust haben und es ist wichtig, aber nicht nach Modalverben.

Regel

In der Infinitivgruppe steht zu + Infinitiv ganz am Schluss; alles andere — Objekte, Zeit, Ort — kommt davor. Die Gruppe hat kein eigenes Subjekt und kein konjugiertes Verb, sie übernimmt das Subjekt des Hauptsatzes: Ich versuche, jeden Tag Deutsch zu lernen.

Vier Auslöser verlangen den Infinitiv mit zu:

  • die meisten Verben mit einem zweiten Verb: versuchen, vergessen, anfangen, aufhören, vorhaben, hoffen, sich freuen, versprechen, planen, beschließen, empfehlen, bitten;
  • Nomen + haben: Lust haben, Zeit haben, Angst haben, die Möglichkeit haben;
  • es ist + Adjektiv: wichtig, schwer, leicht, schön, verboten, erlaubt;
  • unpersönliche Ausdrücke mit es: Es macht Spaß, …, Es tut mir leid, … — dieses es ist nur ein Platzhalter für die folgende Gruppe.

Fünf Gruppen stehen mit dem reinen Infinitiv, also ohne zu: die Modalverben, werden (Futur I), lassen, die Wahrnehmungsverben sehen und hören sowie gehen, bleiben, lernen. Bei lernen (und bei helfen) ist mit einer längeren Gruppe auch zu möglich: Er lernt schwimmen, aber Er lernt, allein zu arbeiten. Nach verneintem brauchen steht standardsprachlich zu: Du brauchst nicht zu kommen; die Form ohne zu ist umgangssprachlich.

Bei trennbaren Verben rutscht das zu zwischen Vorsilbe und Verbstamm, und alles wird zusammengeschrieben: anrufen → anzurufen, aufstehen → aufzustehen, mitkommen → mitzukommen. Untrennbare Verben behalten das zu als eigenes Wort: zu verstehen, zu bekommen.

Drei Wörter leiten eine eigene Infinitivgruppe ein: um … zu (Absicht, Frage: wozu?), ohne … zu (etwas geschieht nicht) und (an)statt … zu (an der Stelle von etwas). Alle drei brauchen dasselbe Subjekt wie der Hauptsatz; bei verschiedenen Subjekten wird aus um … zu ein damit-Satz, aus ohne … zu ein Satz mit ohne dass und aus (an)statt … zu ein Satz mit anstatt dass.

Komma: Pflicht nach um, ohne, (an)statt (ebenso nach als und außer), wenn die Gruppe von einem Nomen abhängt und wenn ein Wort wie es oder darauf sie ankündigt. Sonst ist das Komma freigestellt — bei bloßem zu + Infinitiv steht meist keins (Er begann zu weinen), längere Gruppen liest man mit Komma leichter.

dass oder zu? Gleiches Subjekt in beiden Teilen → die kürzere Infinitivgruppe (Ich hoffe, bald zu kommen). Verschiedene Subjekte → nur der dass-Satz (Ich hoffe, dass du bald kommst). Nach bitten, empfehlen, erlauben handelt die Person, die im Hauptsatz Objekt ist: Ich bitte dich, mir zu helfen — helfen sollst du.

Beispiele

  • Ich versuche, jeden Tag zwanzig Minuten Deutsch zu lernen.
  • Hast du Lust, heute Abend ins Kino zu gehen?
  • Es ist wichtig, vor dem Termin anzurufen.
  • Vergiss bitte nicht, die Tür abzuschließen.
  • Wir haben vor, im Sommer nach Wien zu fahren.
  • Ich lerne Deutsch, um in Österreich zu studieren.
  • Sie ist gegangen, ohne sich zu verabschieden.
  • Statt zu telefonieren, schreibt er lieber eine E-Mail.
  • Ich muss morgen früh aufstehen.
  • Ich höre meine Nachbarn schon wieder streiten.

Übersicht

mit zu typische Vertreter Beispiel
Verb + Infinitivgruppe versuchen, vergessen, anfangen, aufhören, vorhaben, hoffen, versprechen, planen Ich versuche, ruhig zu bleiben.
Nomen + haben Lust haben, Zeit haben, Angst haben, die Möglichkeit haben Hast du Zeit, mir zu helfen?
es ist + Adjektiv wichtig, schwer, leicht, schön, verboten, erlaubt Es ist verboten, hier zu parken.
unpersönliches es Es macht Spaß …, Es tut mir leid … Es macht Spaß, Deutsch zu lernen.
um / ohne / (an)statt um … zu, ohne … zu, (an)statt … zu Er ging, ohne etwas zu sagen.
ohne zu Verben Beispiel
Modalverben können, müssen, dürfen, sollen, wollen, mögen (möchten) Ich muss heute länger arbeiten.
Futur I werden Wir werden morgen anfangen.
lassen lassen Ich lasse mir die Haare schneiden.
Wahrnehmung sehen, hören Ich höre die Kinder spielen.
gehen, bleiben, lernen gehen, bleiben, lernen Wir gehen heute schwimmen.

Typische Fehler

  • ❌ Ich muss heute länger zu arbeiten. → ✅ Ich muss heute länger arbeiten. — Nach einem Modalverb steht der reine Infinitiv, ebenso nach werden, lassen, sehen/hören, gehen, bleiben und bei kurzen Gruppen nach lernen.
  • ❌ Vergiss nicht, mich zu anrufen. → ✅ Vergiss nicht, mich anzurufen. — Bei trennbaren Verben steht zu zwischen Vorsilbe und Stamm, alles in einem Wort.
  • ❌ Ich lerne Deutsch, um in Österreich studieren. → ✅ Ich lerne Deutsch, um in Österreich zu studieren. — um, ohne und (an)statt leiten immer eine Gruppe mit zu ein; das zu darf nicht fehlen.
  • ❌ Ich hoffe, du bald zu kommen. → ✅ Ich hoffe, dass du bald kommst. — Die Infinitivgruppe hat kein eigenes Subjekt; ein zweites Subjekt verlangt den dass-Satz.
  • ❌ Es ist wichtig, zu lernen jeden Tag. → ✅ Es ist wichtig, jeden Tag zu lernen. — zu + Infinitiv schließt die Gruppe ab; Zeit, Ort und Objekte stehen davor.

Verwandte Themen

Hat ein Verb eine feste Präposition, bleibt das da(r)-Wort vor der Gruppe stehen: Ich freue mich darauf, dich zu sehen. Welche Vorsilben sich überhaupt abtrennen, steht im Kapitel zu den trennbaren und untrennbaren Verben; die Modalverben und lassen + Infinitiv haben ebenfalls eigene Kapitel.

Häufige Fragen

Wann steht der Infinitiv mit zu?

Nach den meisten Verben, die ein zweites Verb bei sich haben (versuchen, vergessen, anfangen, aufhören, vorhaben, hoffen, versprechen, planen), nach Nomen + haben (Lust haben, Zeit haben, Angst haben), nach es ist + Adjektiv (wichtig, schwer, verboten) und nach unpersönlichen Ausdrücken mit es (Es macht Spaß, …).

Nach welchen Verben steht kein zu?

Nach den Modalverben, nach werden (Futur I), nach lassen, nach sehen und hören sowie nach gehen, bleiben, lernen: Ich muss arbeiten, Wir gehen schwimmen, Ich höre die Kinder spielen. Bei lernen (und bei helfen) ist mit einer längeren Infinitivgruppe auch zu möglich.

Wo steht zu bei trennbaren Verben?

Zwischen Vorsilbe und Verbstamm, und alles wird zusammengeschrieben: anrufen → anzurufen, aufstehen → aufzustehen, mitkommen → mitzukommen. Bei untrennbaren Verben bleibt zu ein eigenes Wort: zu verstehen, zu bekommen.

Steht vor der Infinitivgruppe ein Komma?

Nach um, ohne und (an)statt ist es Pflicht, ebenso wenn die Gruppe von einem Nomen abhängt oder wenn ein Wort wie es oder darauf sie ankündigt. Sonst ist es freigestellt: Bei bloßem zu + Infinitiv steht normalerweise keins (Er begann zu weinen), längere Gruppen liest man mit Komma leichter.

dass-Satz oder Infinitiv mit zu?

Bei gleichem Subjekt in beiden Teilen die Infinitivgruppe: Ich hoffe, bald zu kommen. Bei verschiedenen Subjekten nur der dass-Satz: Ich hoffe, dass du bald kommst. Genauso entscheidet man zwischen um … zu und damit.