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Partizipialattribute: Partizip I, Partizip II und zu + Partizip I

Partizip I ist aktiv und gleichzeitig (das lachende Kind), Partizip II passiv und abgeschlossen, zu + Partizip I heißt: muss oder kann getan werden.

Regel

Ein Partizipialattribut ist ein Partizip, das wie ein Adjektiv vor einem Nomen steht — zwischen Artikelwort und Nomen, mit einer normalen Adjektivendung. Es fasst einen ganzen Relativsatz in einem Wort zusammen: das lachende Kind = das Kind, das lacht.

Drei Formen, vier Lesarten:

  • Partizip I (Infinitiv + -d): aktiv und gleichzeitig zum Verb des Hauptsatzes. Das lachende Kind = das Kind, das lacht.
  • Partizip II eines transitiven Verbs (also eines Verbs mit Akkusativobjekt): passiv und abgeschlossen. Das reparierte Auto = das Auto, das repariert wurde.
  • Partizip II eines intransitiven Verbs des Ankommens oder der Zustandsänderung mit sein (ankommen, einschlafen, eintreffen, vergehen, wachsen): aktiv und abgeschlossen. Der angekommene Zug = der Zug, der angekommen ist. Intransitive Verben mit haben — schlafen, arbeiten, lachen, warten — bilden kein solches Attribut: nur das schlafende Kind, nicht das geschlafene Kind.
  • zu + Partizip I, das sogenannte Gerundivum: passiv plus Notwendigkeit oder Möglichkeit. Die zu erledigenden Aufgaben = die Aufgaben, die erledigt werden müssen (oder: können). Möglich ist das nur bei transitiven Verben; bei trennbaren Verben rückt zu in das Wort hinein (die abzugebenden Formulare), die Verneinung steht davor (die nicht zu lösenden Probleme).

Das Partizip wird wie ein Adjektiv dekliniert: schwach nach der/die/das, gemischt nach ein-Wörtern, stark ohne Artikelwort. Vor einem Nomen hat es immer eine Endung; ohne Endung ist es kein Attribut, sondern ein freies Partizip im Satz (Laut lachend kam er herein).

Das Partizip kann seine eigenen Ergänzungen und Angaben behalten. Sie stehen alle zwischen Artikelwort und Partizip — so entsteht das erweiterte Attribut: Artikelwort → Ergänzungen und Angaben → Partizip + Endung → Nomen. Zum Auflösen nimmt man das Artikelwort mit dem Nomen hinter dem Partizip, setzt ein Relativpronomen ein und bildet die Verbform nach dem Partizip: die von meinem Vater vor zwei Jahren gekauften Bücherdie Bücher, die mein Vater vor zwei Jahren gekauft hat.

Zum Stil: Ein Attribut aus einem Wort ist Alltagssprache. Das erweiterte Attribut ist ein Merkmal geschriebener, formeller Texte — Wissenschaft, Technik, Verwaltung, Presse — und typisch für den Nominalstil. Gesprochen und immer dann, wenn die Klammer lang wird, ist der Relativsatz die bessere Wahl.

Beispiele

  • Das lachende Kind rannte über den Hof.
  • Das reparierte Auto steht wieder vor der Tür.
  • Der gerade angekommene Zug ist aus Wien.
  • Die zu erledigenden Aufgaben stehen auf der Liste.
  • Die bis Freitag abzugebenden Formulare liegen im Sekretariat.
  • Die von meinem Vater vor zwei Jahren gekauften Bücher stehen noch im Regal.
  • Die im Labor arbeitenden Studentinnen tragen Schutzbrillen.
  • Ein von allen Teilnehmern unterschriebenes Protokoll geht an die Behörde.

Übersicht

Form Bildung Bedeutung Relativsatz
Partizip I Infinitiv + -d + Endung aktiv, gleichzeitig das lachende Kind → das Kind, das lacht
Partizip II (transitives Verb) Partizip II + Endung passiv, abgeschlossen das reparierte Auto → das Auto, das repariert wurde
Partizip II (sein-Verb) Partizip II + Endung aktiv, abgeschlossen der angekommene Zug → der Zug, der angekommen ist
zu + Partizip I zu + Infinitiv + -d + Endung passiv + müssen / können die zu erledigenden Aufgaben → die Aufgaben, die erledigt werden müssen
Artikelwort Ergänzungen und Angaben Partizip + Endung Nomen
die von meinem Vater vor zwei Jahren gekauften Bücher
die bis Freitag abzugebenden Formulare
die im Labor arbeitenden Studentinnen

Typische Fehler

  • ❌ das lachend Kind → ✅ das lachende Kind — vor einem Nomen ist das Partizip ein Adjektiv und braucht eine Adjektivendung.
  • ❌ das reparierende Auto → ✅ das reparierte Auto — das Partizip I ist aktiv; das wäre ein Auto, das etwas repariert. Repariert wird aber das Auto, also Partizip II.
  • ❌ das geschlafene Kind → ✅ das schlafende Kind — schlafen ist intransitiv und bildet das Perfekt mit haben, deshalb gibt es kein Attribut aus dem Partizip II.
  • ❌ die erledigenden Aufgaben → ✅ die zu erledigenden Aufgaben — erst zu + Partizip I ergibt die passive Bedeutung „müssen erledigt werden“; ohne zu würden die Aufgaben selbst etwas erledigen.
  • ❌ die gekauften von meinem Vater Bücher → ✅ die von meinem Vater gekauften Bücher — alles, was zum Partizip gehört, steht zwischen Artikelwort und Partizip.

Verwandte Themen

Die Endungen kommen aus der Adjektivdeklination, und jedes Attribut dieser Art lässt sich in einen Relativsatz auflösen. Das Attribut mit Partizip II ist die verdichtete Form des Passivs — der Vergleich mit dem Zustandspassiv (Das Auto ist repariert) und mit dem Nominalstil der Fachsprache lohnt sich.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Partizip I und Partizip II vor einem Nomen?

Das Partizip I (Infinitiv + -d) ist aktiv und gleichzeitig: das lachende Kind = das Kind, das lacht. Das Partizip II eines transitiven Verbs ist passiv und abgeschlossen: das reparierte Auto = das Auto, das repariert wurde. Bei intransitiven Verben mit sein bleibt es aktiv: der angekommene Zug = der Zug, der angekommen ist.

Was bedeutet zu + Partizip I, und wo steht zu bei trennbaren Verben?

Das ist das Gerundivum: passiv plus Notwendigkeit oder Möglichkeit — die zu erledigenden Aufgaben = die Aufgaben, die erledigt werden müssen. Es funktioniert nur mit transitiven Verben; bei trennbaren Verben steht zu zwischen Vorsilbe und Stamm: die abzugebenden Formulare. Die Verneinung steht davor: die nicht zu lösenden Probleme.

Wie löse ich ein langes Attribut wie die von meinem Vater vor zwei Jahren gekauften Bücher auf?

Man nimmt den Artikel und das Nomen hinter dem Partizip (die Bücher), setzt ein Relativpronomen dahinter und schiebt den Inhalt der Klammer in den Nebensatz. Die Verbform ergibt sich aus dem Partizip: die Bücher, die mein Vater vor zwei Jahren gekauft hat — oder passiv: die vor zwei Jahren gekauft wurden.

Welche Endung bekommt das Partizip?

Die normalen Adjektivendungen: schwach nach der/die/das (das reparierte Auto, die reparierten Autos), gemischt nach ein-Wörtern (ein unterschriebenes Protokoll), stark ohne Artikelwort (frisch gestrichene Wände). Vor einem Nomen trägt ein Partizipialattribut immer eine Endung.

Ist das nur geschriebene Sprache?

Ein Attribut aus einem einzigen Wort wie das lachende Kind oder die gekauften Bücher ist überall üblich. Das erweiterte Attribut gehört dagegen in geschriebene, formelle Texte — Wissenschaft, Technik, Verwaltung, Presse; gesprochen wählt man den Relativsatz.